Pressemitteilung, 01.06.2026 | Land Salzburg stellt erstmals ein Integrationsleitbild vor

Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz

Leitprinzipien, Handlungsfelder und Maßnahmen ab sofort gültig / Niedrigster Stand an Asylwerbern seit zehn Jahren

 

(LK)  „Heimat erhalten – Vielfalt gestalten“: Unter diesem Motto wurde heute das erste und offizielle Integrationsleitbild des Landes Salzburg präsentiert. Seit dem Frühjahr 2025 wurden auf Basis des Regierungsprogramms und ergänzt durch einen breit angelegten Dialogprozess klare Regeln für ein funktionierendes Zusammenleben im Bundesland erarbeitet. Die Leitprinzipien, Handlungsfelder und Maßnahmen sind differenziert angelegt und unterscheiden zwischen verschiedenen Milieus – von bereits erfolgreich Integrierten über integrationsbemühte bis hin zu integrations- und demokratieablehnenden Gruppen.

Mehr als ein Viertel der Bewohnerinnen und Bewohner von Salzburg hat einen Migrationshintergrund. Die größte Herkunftsgruppe sind Deutsche, gefolgt von Ländern des ehemaligen Jugoslawiens (Bosnien-Herzegowina, Serbien und Kroatien) sowie der Türkei. Insbesondere seit der Flüchtlingswelle 2015/16 kamen vermehrt Menschen aus Syrien, Afghanistan und zuletzt aus der Ukraine dazu. Der Zuzug von Menschen aus aller Welt stellt die Gesellschaft im Land vor großen Herausforderungen. Das Integrationsleitbild benennt daher die Dinge, wie sie sind – Chancen wie auch Risiken – und fordert gleichzeitig Verantwortung und Eigeninitiative ein. In einem Pressegespräch haben Landeshauptfrau Karoline Edtstadler und Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek, gemeinsam mit dem Experten Kenan Güngör das neue Integrationsleitbild vorgestellt.

Edtstadler: „Niedrigster Stand an Asylwerbern“

Landeshauptfrau Karoline Edtstadler betont: „In puncto Integration dürfen wir die Salzburgerinnen und Salzburger nicht noch mehr über Gebühr belasten. Die Anzahl der Personen in Grundversorgung ist mit aktuell 1950 Personen, davon stammen mehr als die Hälfte aus der Ukraine, konstant rückläufig. Salzburg hat sogar den niedrigsten Stand an Asylwerbern seit zehn Jahren“, so Edtstadler und ergänzt: „Ein Miteinander funktioniert nur auf der Basis von Respekt und Verantwortungsübernahme. Integration ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe für unsere Demokratie. Ich lade alle, die in Salzburg leben, ein, unseren Weg in puncto Integration aktiv mitzugehen.“

Svazek: „Heimat erhalten, wie wir sie kennen und lieben.“

Auf 22 Seiten bietet das Integrationsleitbild Leitprinzipien, Handlungsfelder und auch Maßnahmen im Bereich Integration. „Es soll Integrationsprozesse verstärkt aktiv steuern, anstatt sich mit der längst widerlegten Verheißung zufriedenzugeben, dass diese schon automatisch in ‚kulturelle Bereicherung‘ münden werden. Damit wollen wir an die eindeutige Erwartungshaltung der großen Mehrheit der Bevölkerung – inklusive vieler bestens integrierter Menschen mit Migrationshintergrund – anknüpfen, die ihre Heimat Salzburg so erhalten will, wie wir sie kennen und lieben: nämlich als demokratische, freiheitsorientierte und westlich ausgerichtete Gesellschaft mit kulturell christlicher Grundprägung und nicht als integrationspolitisches Experimentierfeld mit offenem Ausgang“, stellt Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek fest.

Breite Einbindung durch Dialog und Konsultation

Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Fachpraxis und gesellschaftliche Akteure wurden im Zuge des Erstellungsprozesses breit konsultiert. „Und das alles über parteipolitische und weltanschauliche Unterschiede hinweg. Bei der Erstellung wurde gewürdigt, was vielfach gelingt, und gleichzeitig dort Grenzen gesetzt, wo Grundregeln des Zusammenlebens missachtet werden. Denn auf Dauer verbindet uns nicht nur unsere Herkunft, sondern unsere gemeinsamen Anliegen, Interessen und eine Kultur des Respekts, die Unterschiedlichkeit anerkennt, aber Verbindendes stärkt“, sagt der Integrationsexperte Kenan Güngör.

Deutsch, Arbeit und Werte als Schlüssel zum Erfolg

Politische Parteien, Behörden und Gemeinden, aber auch Berufsverbände, Religionsgemeinschaften und Experten aus der Jugendarbeit, sie alle und noch weitere Gruppen, wurden im Vorfeld der Erstellung des Salzburger Integrationsleitbildes eingebunden. Das Leitbild selbst wurde dann durch den Integrationsexperten Kenan Güngör in enger Abstimmung mit dem Integrationsressort von Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek erstellt. „Im Leitbild klar unterstrichen wird, dass Sprache, Arbeit, Werte und Bildung die zentralen Voraussetzungen für Integration sind. Deutsch in Wort und Schrift ist der Schlüssel zu Bildungserfolg, Arbeitsmarktintegration und gesellschaftlicher Teilhabe – genauso wie die Verinnerlichung gemeinsamer Werte und der Respekt vor Kultur und Traditionen der Aufnahmegesellschaft“, so Svazek.

Differenzierte Milieus mit und ohne Integrationsinteresse

Rund 70 Prozent der Zugewanderten in Österreich und Salzburg stellen die „tragende Mitte“ dar. Sie sprechen gut Deutsch, sind rechtlich und wirtschaftlich angekommen und gehen einer Arbeit nach. Sie verstehen Salzburg oder Österreich als ihre Heimat. 20 Prozent der Zugewanderten sind in Österreich noch nicht vollständig angekommen, bemühen sich aber um Integration. „Bei zirka 10 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund – einer kleinen, aber gesellschaftlich relevanten Gruppe – zeigt sich nur geringe Bereitschaft, sich auf das gemeinsame Zusammenleben einzulassen. In diesen Milieus überwiegen Rückzugstendenzen, polarisierende Abgrenzungen oder gar die bewusste Ablehnung zentraler Werte – wie Gleichstellung, Meinungsfreiheit, Pluralismus und demokratische Grundprinzipien“, informiert Kenan Güngör.

Fünf Leitprinzipien für die Integration

Klare und tragfähige Prinzipien benötigt jede integrationsfähige Gesellschaft. Sei es für das Handeln der politischen Akteurinnen und Akteure, das alltägliche Zusammenleben oder auch das „Tagesgeschäft“ der Institutionen, die sich mit dem Thema Migration und Integration beschäftigen. Fünf Leitprinzipien bilden den Rahmen der Integrationspolitik des Landes Salzburg. Die Prinzipien im Überblick:

  • Werteorientiert: Menschenrechten verpflichtet – regional geerdet
    • Demokratie, Rechtsstaat, Menschenwürde, Gleichstellung und Meinungsfreiheit sind unverhandelbar. Integration braucht nicht Harmonie um jeden Preis, sondern tragfähige, konsensorientierte Umgangsformen im Umgang mit Differenz.
  • Verbindlich: befähigen, fördern – und klar fordern
    • Integration bedeutet, Menschen zu befähigen – nicht bloß zu verwalten. Salzburg setzt auf eine aktivierende Politik, die Zugewanderte dabei unterstützt, eigenverantwortlich zu handeln, Perspektiven zu entwickeln und Teil des Gemeinwesens zu werden.
  • Integration als beidseitiger, aber asymmetrischer Prozess
    • Integration gelingt nur, wenn sich sowohl die Aufnahmegesellschaft als auch die Zugewanderten aktiv beteiligen. Doch dieser Prozess ist nicht symmetrisch. Die Anforderungen an Zugewanderte sind ungleich höher.
  • Früh handeln – statt spät reparieren
    • Salzburg verfolgt einen präventiven Ansatz – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen und bei Neuzugewanderten mit längerfristiger Aufenthaltsperspektive.
  • Evidenzbasiert, bedarfsgerecht, wirksam und querschnittsorientiert handeln
    • Gute Integrationspolitik muss wirken. Sie darf nicht von Ideologien und Stimmungen getrieben sein, sondern braucht Fakten, Differenzierung und eine klare Wirkungsperspektive.

Nächster Schritt: Integrationsmanagement

Für die Umsetzung des Integrationsleitbildes setzt das Land Salzburg auf ein systematisches Integrationsmanagement. So soll etwa eine ressortübergreifende Steuerungs- und Koordinationsstruktur die Abstimmung zwischen relevanten Ressorts, der Verwaltung und Fachstellen gewährleisten. Unverzichtbar ist zudem eine enge Abstimmung mit den zuständigen Stellen des Bundes. Dazu gehört insbesondere die Kooperation mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) im Rahmen seines gesamten Leistungsspektrums. Die inhaltliche Umsetzung soll mittelfristig über konkrete Programme, Projekte und Maßnahmen erfolgen; diese sollen auch regelmäßig evaluiert und weiterentwickelt werden. Zum Austausch und zur Vernetzung, aber auch im Sinne eines „Seismografen“ zur frühzeitigen Sensibilisierung für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, soll einmal jährlich ein Fachtag zur Integration in Salzburg mit Stakeholdern aus dem Integrationsbereich stattfinden.

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