Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz
26 Buben der Sonnwendschützen rücken an diesem Wochenende aus / Ehrenbecher des Landes für Heinrich Eisl.
(LK) 26 Buben im Alter von acht bis 15 Jahren sind an diesem Wochenende in Abersee ausgerückt. Die Sonnwendschützen begrüßen mit einem lauten „Klack“-Geräusch, das von den Holzgewehren erzeugt wird, den längsten Tag des Jahres. 1977 wurde die Tradition von Heinrich Eisl wieder begründet. Für sein jahrzehntelanges Engagement für die Volkskultur wurde er heute, Sonntag, von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler mit dem Ehrenbecher des Landes ausgezeichnet.
Bereits von weithin sichtbar sind die Aberseer Sonnwendschützen mit ihrer kurzen Lederhose, grünen Stutzen, weißem Hemd und dem in Rottönen gehaltenen Seidentuch, das als Krawatte dient. Unterschiede gibt es nur in der Kopfbedeckung: Die Schützen tragen eine schwarze Kappe. Beim Trommler ist die Kappe blau, bei den Klinglern ist sie rosa, beim Fähnrich rot und der Hauptmann, der als Kopfbedeckung einen Helm trägt, ist zudem mit einem Säbel ausgestattet. Im Lauf der Holzgewehre steckt eine Art Holzschlüssel. Wird der Abzug mit einer Schnur betätigt, springt dieser heraus, und das Zusammentreffen der vorher gespannten Laufhälften der Gewehre erzeugt ein Klack-Geräusch. In Abersee werden zur Sonnenwende jeweils rund 300 Haushalte im St. Gilgener Ortsteil Obersbach und am zweiten Tag im Strobler Ortsteil Untersbach besucht.
Edtstadler: „Abersee ist stolz auf die Sonnwendschützen.“
Landeshauptfrau Karoline Edtstadler betont: „Die Aberseer Sonnwendschützen sind ein Fixpunkt im Ortsleben. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind stolz auf diese Tradition und es ist eine Ehre, wenn die Sonnwendschützen vor der Türe stehen. Und die Buben sind mit vollem Eifer dabei und tragen mit großem Selbstbewusstsein die Uniform. Treibende Kraft hinter dieser für Jung und Alt so beliebten Tradition ist Heinrich Eisl, der 1977 das Brauchtum wiedergegründet hat.“
Ein Herz für die Volkskultur
Die Volkskultur, Schützen oder Musik: Der 84-jährige Heinrich Eisl ist tief verwurzelt mit seiner Heimat. „Die Aberseer Sonnwendschützen sind mir in den vergangenen fast 50 Jahren besonders ans Herz gewachsen. Zu sehen, wie sich jedes Jahr die jungen Burschen mit großer Freude für das Brauchtum engagieren, ist einfach wunderbar. Es freut mich sehr, dass das Ehepaar Sepp und Christine Eisl die Organisation weiterführen, es war nicht einfach, Nachfolger zu finden“, sagt Heinrich Eisl, der unter anderem den Ehrenteller der Gemeinde Strobl sowie das Ehrenzeichen in Gold des Landesverbandes der Salzburger Heimatvereine erhalten hat. Darüber hinaus ist er Ehrenmitglied der Strobler Prangerschützen und hat sich als Amateurfilmer und Mitglied der Strobler Stubenmusi einen Namen gemacht.
Brauchtum mit langer Tradition
In der Mitte des 19. Jahrhunderts sind Überlieferungen zufolge die Aberseer Sonnwendschützen zum ersten Mal ausgerückt. Während des Zweiten Weltkriegs endete vorerst diese Tradition wieder. „Mein Vater war Jahrgang 1923 und er war damals als Kind noch selbst als Sonnwendschütze aktiv und hat später aus dem Gedächtnis für uns Buben auch solche Sonnwendgewehre hergestellt. Dem besonderen Engagement des Zinkenbachbauers Heinrich Eisl ist es zu verdanken, dass diese Tradition 1977 wieder neu zu leben begann. Ich selbst durfte damals als Bub mithelfen die Kopfbedeckungen herzustellen und in der Funktion des Fähnrichs gemeinsam mit den jungen Kameraden durch ganz Abersee marschieren“, sagt Sepp Eisl, der sich um diese Tradition kümmert.
Ein Glücksfall für Abersee
„Heinrich Eisl hat diesen schönen Brauch nicht nur zum Wiedererstehen gebracht, er hat seither auch die weiteren 48 Jahre unermüdlich die Buben trainiert und alles organisiert und somit den Brauch sehr maßgeblich geprägt. Sein Engagement ist für Abersee ein echter Glücksfall“, sagt Sepp Eisl und ergänzt: „Die Ankündigung der Sommersonnenwende steht im Mittelpunkt dieses Brauches. Der ,Schuss‘ der Schützen ist ein lautes Klacken, vor allem, wenn mehr als 20 Buben auf einmal abziehen, entsteht ein lautes und interessantes Geräusch.“
Bevölkerung verköstigt kleine Schützen
Zwei „Klingler“ bilden bei den Aberseer Sonnwendschützen die „Speerspitze“. „Sie gehen in die Häuser hinein und kündigen die Ankunft der Sonnwendschützen an. Im Anschluss wird ein Glückwunschspruch vorgetragen, im Gegenzug leistet die Bevölkerung eine kleine Geldspende. Mit dem gesammelten Geld wird zu einem späteren Zeitpunkt ein Abschlussessen bezahlt. Während der zwei Tage werden die Kinder von der Bevölkerung in Abersee verköstigt. Die kleinen Schützen ziehen von in der Früh bis am Abend von Haus zu Haus. In der Regel wird am Wochenende marschiert, wenn die Kinder schulfrei haben“, so Sepp Eisl.
Foto: Land Salzburg / Franz Neumayr