Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz
Verbauung des Tobersbachs startet umgehend / Bestehende Schutzbauwerke haben Schlimmeres verhindert
(LK) Am Donnerstagabend wurden vor allem der Pinzgau und der Pongau von heftigen Regenfällen getroffen. In Stuhlfelden mussten kurzzeitig 13 Personen ihre Häuser verlassen. In Uttendorf zog der Tobersbach eine regelrechte Schneise durch den gleichnamigen Ortsteil. Derzeit laufen in den betroffenen Gemeinden die Aufräumarbeiten. An vorderster Stelle steht auch das Ausbaggern der Wildbachsperren.
Innerhalb von wenigen Minuten verwandelten sich am gestrigen Abend kleine Wildbäche in reißende Flüsse. Die Oberpinzgauer Gemeinden Stuhlfelden und Uttendorf waren dabei am stärksten betroffen. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler hat sich am Freitagmorgen vor Ort in Stuhlfelden über die aktuelle Lage informiert. Die größten Schadstellen in Salzburg im Überblick:
- Stuhlfelden
- Pirtendorferbach: fünf zerstörte Brücken und fünf beschädigte Häuser. Schutzbauwerk mit zirka 8.000 Kubikmetern gefüllt (das entspricht fast 100 offene Standardgüterwaggons). WLV-Salzburg unterstützt bei der Errichtung einer Behelfsbrücke.
- Uttendorf
- Tobersbach: Bach ist am Unterlauf über die Ufer getreten. Ein Haus am Rande betroffen. Weiters großflächige Flurschäden.
- Bad Gastein
- Kötschachbach: drei Sperren mit zirka 25.000 Kubikmetern gefüllt (das entspricht fast 300 offene Standardgüterwaggons – mit einer Länge von mehr als vier Kilometer). Straße verlegt, Infrastruktur betroffen. Ohne Schutzwirkungen hätte es in Bad Bruck massivste Schäden gegeben.
- Thomatal:
- Schilchergraben und Pichlgraben: Landesstraße verlegt, Aufräumarbeiten laufen.
Lage im Pinzgau
Stefan Herbst, Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft Zell am See, berichtet von insgesamt vier Sperren der Wildbach- und Lawinenverbauung, die man nun versuche, so rasch als möglich zumindest teilweise zu räumen, um für weitere Regenfälle gerüstet zu sein. Die Unwetter der vergangenen Nacht haben in Uttendorf und Stuhlfelden Spuren hinterlassen. Während es in Uttendorf durch den Tobersbach aber nahezu nur Flurschäden gab, wurden in Stuhlfelden fünf Brücken auf Gemeindestraßen weggerissen. „Zu 13 Objekten ist derzeit keine Zufahrt möglich. Bei zwei Gebäuden sind die Keller mit Wasser und Schlamm komplett gefüllt.“ Die Feuerwehr stehe mit einem Kat-Zug mit mehr als 100 Leuten im Einsatz.
Tobersbach: Verbauung startet sofort
Eigentlich hätten die Arbeiten für die Verbauung des Tobersbachs in Uttendorf im Herbst starten sollen. Diese werden nach den Ereignissen der vergangenen Nacht aber sofort gestartet. „Alle benötigten Genehmigungen liegen vor. Jetzt wird das Projekt umgesetzt. Bis 2030 werden schrittweise 4,7 Millionen Euro investiert. Der Bund trägt 62 Prozent der Kosten, das Land Salzburg 15,5 Prozent und die Gemeinde beziehungsweise die Genossenschaft gemeinsam 22,5 Prozent. Alle vier Partner übernehmen gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit der Menschen vor Ort“, sagt Landesrat Maximilian Aigner.
Uttendorf hilft zusammen
Der Bürgermeister von Uttendorf, Hannes Lerchbaumer, schildert die Lage vor Ort: „Die gute Nachricht ist, dass es keine Personenschäden gibt. Die Verbauungen haben sich absolut bewährt, sie sind bis zum Rand voll. Ohne diese Schutzbauten wären wir in eine Katastrophe hineingeschlittert. Gestern Abend waren rund 95 Einsatzkräfte im Einsatz, derzeit sind es rund 30. Im Ort herrscht eine große Nachbarschaftshilfe, man unterstützt sich gegenseitig.“
Verbauungen und Sperren haben Schutzfunktion erfüllt
Der Sektionsleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung, Gebhard Neumayr, informiert: „Die bestehenden Verbauungen und Sperren haben in der vergangenen Nacht definitiv Schlimmeres verhindert und sich im Ernstfall bewährt. Ohne die Verbauungen wäre es etwa in Uttendorf zu einer Katastrophe gekommen. Aber die Bauwerke beim Manlitzbach oder auch beim Uttendorfbach – dieses wurde vor zwei Monaten fertiggestellt – haben ihre Funktion vollends erfüllt. Beim Tobersbach sieht man, dass Schutzbauten bei Bächen, die in den 1980er-Jahren verbaut wurden oder früher, nicht mehr dem Stand der Zeit entsprechen. Umso wichtiger ist, dass hier jetzt ein zeitgemäßer Hochwasserschutz entsteht.“
Ausbaggern der Wildbachsperren in vollem Gang
Auch im Pongau haben die Verbauungen ihren Zweck erfüllt. „Bad Bruck, ein Ortsteil von Kötschach, wäre ohne die Schutzbauten wohl massiv beschädigt. Das Wichtigste ist, dass jetzt die Sperren so schnell wie möglich ausgebaggert werden. Hier ist die WLV mit den Katastrophenschutz-Referenten der Bezirke und den Kolleginnen und Kollegen im Landesdienst bestens eingespielt. In Dorfgastein wurde etwa bis zuletzt tagelang gearbeitet. Das war essenziell, sonst wäre die ÖBB-Strecke vermutlich in der Nacht massiv beschädigt worden“, führt Gebhard Neumayr weiter aus.
Zahlreiche Soforteinsätze laufen
Über den Katastrophenfonds des Landes wurden umgehend Soforteinsätze mit der WLV in den betroffenen Regionen gestartet, um Wildbachsperren zu räumen sowie Gräben und Straßen freizumachen. Im Pinzgau wird derzeit in Uttendorf, am Manlitzbach, im Schwarzachergraben, in Stuhlfelden und im Krimmler Achental gearbeitet. Weitere Soforteinsätze laufen im Pongau am Kötschachbach in Gastein sowie im Zechnergraben in Dorfgastein. Im Lungau werden Straßen in Thomatal freigemacht und eine Sperre in Zederhaus geräumt. Sperrenräumungen führt derzeit auch die ASFINAG durch. An der A10 Tauernautobahn im Lungau wurden drei Wildbachsperren bei den gestrigen Unwettern völlig angefüllt.
Pongau: Unwetter punktuell und unberechenbar
Katastrophenschutzreferent Michael Rachensperger von der Bezirkshauptmannschaft St. Johann hat am Freitag berichtet, dass jene betroffenen Personen, die noch im Gasteiner Kötschachtal eingeschlossen waren, in der Früh mithilfe des Polizeihubschraubers ausgeflogen worden sind. Die medizinische Versorgung einer Person wurde durch einen Hubschraubereinsatz sichergestellt und durch die örtlichen Einsatzkräfte rasch organisiert. Die Straße ins Kötschachtal ist seit Donnerstagabend zu weiten Teilen unpassierbar. Insgesamt sei man im Pongau mit einem blauen Auge davongekommen. „Die Wildbachsperren haben ihren Zweck erfüllt, aber mehr hätte es nicht gebraucht. Wir haben jetzt schweres Gerät im Einsatz, um den Schutzzweck der Bauten wieder herzustellen und die Infrastruktur wie Wasserleitung, Stromleitung und Kanal zu sichern. Die Unwetter waren punktuell, intensiv und unberechenbar“, so Rachensperger.
Klimawandel befeuert Murenabgänge
Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst hat sich bereits um 7 Uhr mittels Hubschrauber einen Eindruck der Lage im Gasteinertal gemacht. „Die gute Nachricht ist, dass es ein isoliertes Ereignis war. Es gibt so gut wie keine Schäden, bis auf die Mure im Kötschachtal. Diese hatte es jedoch in sich. Nach Abgängen in den Jahren 2017 und 2023 hat sie gestern wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Die Ursache ist eine eindeutige Auswirkung des Klimawandels.“
Gletscher als „Barriere“ fehlt
Beim Tischlerkar-Kees gab es ursprünglich einen Gletscher, der die Niederschläge ähnlich einem Schwamm zurückgehalten hat. „Das Eis ist in den vergangenen 20 Jahren jedoch bis auf einen kleinen Rest abgeschmolzen. Übrig geblieben sind polierte Felsoberflächen, die kein Wasser mehr aufnehmen können. Der Niederschlag rinnt jetzt eins zu eins ins Tal ab und nimmt dabei Geröll und Schutt mit. Ich fürchte, dass uns dieser Bereich auch in der Zukunft Probleme bereiten wird. Die vorhandenen Schutzverbauungen haben gestern ein Unglück verhindert. Ohne diese wären die Folgen der Mure katastrophal gewesen und hätten bis in den Bad Gasteiner Ortsteil Remsach gereicht“, berichtet Gerald Valentin.
Hohe Intensität, verheerende Wirkung
Für den Hydrografischen Dienst des Landes Salzburg hat sich Barbara Staudinger das gestrige Ereignis näher angesehen. „Es war definitiv in vielen Regionen ein Starkregen, sehr lokal ein Extremereignis, aber keine Extremlage über ein größeres Einzugsgebiet. Es war teilweise vergleichbar mit dem Regenereignis am Sonntag in der Stadt Salzburg. In Uttendorf, Stuhlfelden und Bad Gastein hat es über die Fläche innerhalb von zirka sechs Stunden einen Niederschlag von 50 Millimetern gegeben, wobei gut die Hälfte innerhalb einer Stunde fiel. Sehr lokal sind bis zu 100 Millimeter in einer Stunde gefallen – das entspricht dem Inhalt einer Badewanne. Auffällig war, dass bei der Station Goldegg innerhalb von 45 Minuten bis zu zirka 70 Millimeter, innerhalb von 15 Minuten bis zu zirka 35 Millimeter Niederschlag verzeichnet wurden. Niederschlagsstationen zeichnen selten das Extrem bei Ereignissen auf, sind lokal aufgestellt, die Station Goldegg gibt einen Hinweis auf das Potenzial. Aufgrund der hohen Intensität und Trockenheit haben einzelne lokale Ereignisse eine sehr verheerende Wirkung“, so Staudinger.
675 Feuerwehrleute im Einsatz
Am Abend und in der Nacht standen 675 Einsatzkräfte von 32 Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Insgesamt wurden 98 Einsatzstellen bearbeitet. Im Pinzgau waren die Kräfte in elf Gemeinden im Einsatz, im Flachgau in zehn Orten, im Pongau in sieben, im Tennengau und Lungau in einer. Ebenfalls im Einsatz waren die Freiwillige Feuerwehr in der Stadt Salzburg sowie die Berufsfeuerwehr.