Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz
Expertengremium wird der Politik Vorschläge und Maßnahmen unterbreiten / Leitung übernimmt Dr. Franz Harnoncourt
(LK) Salzburgs Spitalsversorgung soll für die Zukunft weiterentwickelt werden. Die Landesregierung hat deshalb den Startschuss für das Projekt „Zukunft Gesundheit“ erteilt.
In dem Projekt „Zukunft Gesundheit“ sollen Expertinnen und Experten, Fachleute der Spitäler, der Ärzteschaft, der Pflege, der Universität und der Sozialversicherungen abgestimmte und umsetzungsreife Maßnahmen erarbeiten. Bis 2028 sollen fundierte Empfehlungen vorliegen, wie die Gesundheitsversorgung in Salzburg bis 2040 und darüber hinaus zukunftsfähig, nachhaltig und bedarfsgerecht gestaltet werden kann. Über allem steht das Ziel, die Qualität der Gesundheitsversorgung hochzuhalten und auszubauen sowie angesichts der Herausforderungen (demografischer Wandel, Spezialisierung, effizienter Mitteleinsatz) die Versorgungssicherheit für Patientinnen und Patienten zu gewährleisten.
Ziel: Fundierte Empfehlungen bis 2028
Dabei wird nun ein partizipativer Expertenprozess aufgesetzt, der noch vor dem Sommer starten soll. Die Salzburger Landesregierung agiert als Auftraggeberin. Die Projektleitung liegt bei der zuständigen Gesundheitsabteilung gemeinsam mit der im Vorjahr gegründeten Gesundheitsholding. Ein Projektteam aus Vertreterinnen und Vertretern der Fondskrankenanstalten sowie der Abteilung 9 des Landes, der Gesundheitsholding und des SAGES wird Vorschläge und Ideen liefern. Diese Ergebnisse der Projektarbeit werden im Experten- und Beteiligtengremium diskutiert und bewertet. Dabei können auch weitere Ideen und Maßnahmen entwickelt werden. Beschlüsse werden einhellig gefasst; die Sitzungen sind vertraulich und finden ausschließlich in Präsenz statt.
Profunder Kenner des Spitalswesens
Als Vorsitzender dieses Gremiums konnte Dr. Franz Harnoncourt gewonnen werden. Harnoncourt arbeitete sieben Jahre lang als Vorsitzender der Geschäftsführung der OÖ Gesundheitsholding GmbH (OÖG). Der gebürtige Wiener gilt als profunder Kenner des heimischen Spitalswesens, der auch internationale Erfahrung mitbringt. Gleichzeitig verfügt er über den Blick von außen im Hinblick auf Salzburgs Spitalsstruktur.
Beste Gesundheitsversorgung für Salzburg
Landeshauptfrau Karoline Edtstadler hält fest: „Ohne Gesundheit ist alles nichts. Genau deshalb denken wir an die Zukunft und handeln schon heute für morgen. Ich freue mich, dass wir für das Projekt ‚Zukunft Gesundheit‘ ein Gremium aus Fachleuten hinzuziehen, das in enger Abstimmung mit der Landesregierung Maßnahmen und ein landesweites Zielbild für die Spitals- und Gesundheitsversorgung mitentwickelt. Dieser Prozess ist kein Sprint, sondern ein Marathon und erfordert viele kleine Schritte. Damit sichern wir für die Salzburgerinnen und Salzburger die bestmögliche Versorgung in den Bereichen Gesundheit und Pflege.“
Hochwertig und gerecht
Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek zeigt sich froh darüber, einen ausgewiesenen Experten für Gesundheit gewonnen zu haben. „Vor allem, weil er mit seiner Erfahrung auf Augenhöhe mit den Betroffenen interagieren kann und genau weiß, wovon er spricht. Unser Anspruch bleibt eine hochwertige und gerechte Versorgung. Egal, wo man wohnt, was man verdient und ob man alt oder jung ist. Das ist auch eine Frage der Finanzierbarkeit, daher werden auch notwendige Reformen angetrieben. Wir werden aber nicht dort sparen, wo es Patienten trifft, sondern wo zum Beispiel das System in sich etwas träge geworden ist. Es muss nicht immer um Leistungskürzungen gehen, sondern um Strukturen. Da bin ich positiv gestimmt, dass wir das mit dem Prozess erreichen können“, so Svazek.
Breit angelegter Prozess
Für Gesundheitslandesrätin Daniela Gutschi gibt es aufgrund des demografischen Wandels „eine Doppelmühle zu stemmen“. „Immer mehr ältere Menschen brauchen Versorgung aus dem Gesundheitssystem und auf der anderen Seite werden die Arbeitskräfte immer weniger. Daher braucht es einen ganz breit angelegten Prozess, der alle Stakeholder miteinbezieht. In diesem Sinne ist es wichtig, dass die Schnittstellen verbessert werden und zum Beispiel auch das Rettungswesen und andere relevante Teilnehmer miteingebunden werden. Ziel ist ein ganzheitlicher Blick und ein klarer Plan für die Zukunft. Zudem wäre es mir ein großes Anliegen, wenn es auch zu einem Umdenken kommen könnte. Und zwar, dass wir mehr in Richtung Prävention denken. Wir müssen dafür die Bevölkerung und deren Gesundheitskompetenz fördern“, so Gutschi.
Konkrete Eckpfeiler
„Was sich im Bereich Digitalisierung tut, ist unglaublich. Aber wir nutzen diese noch viel zu wenig, wie zum Beispiel die Telemedizin. Das ist für alle eine positive Entwicklung. Wir haben auch noch viele andere Möglichkeiten, die im oft schwerfälligen Gesundheitssystem noch gar nicht angekommen sind. Der Prozess wird keine endgültigen Antworten geben können, weil sich das System ständig weiterentwickelt. Aber der Prozess soll Eckpfeiler bieten und klare Handlungsfelder aufzeigen“, so Dr. Franz Harnoncourt, der als Erstes vor allem mit den Stakeholdern in intensive Gespräche gehen will.
RSG zeigte bereits Optimierungspotenziale
Die Erkenntnisse aus dem Entwicklungsprozess des Regionalen Strukturplans Gesundheit (RSG) 2030 zeigen, dass in den Spitälern Optimierungspotenziale bestehen, die durch strukturelle Veränderungen realisiert werden können. Diese Möglichkeiten sind eine stärker abgestimmte Versorgung, die Bündelung von Leistungen, die Nutzung digitaler Services und Potenziale, der Abbau von Parallelstrukturen sowie eine verbesserte Auslastung bestehender Kapazitäten. Gleichzeitig kommt der gezielten Weiterentwicklung der Schnittstellen zwischen den Spitälern und den niedergelassenen Ärzten eine wesentliche Bedeutung zu.
Neuordnung Gesundheitsbereich: Was bisher geschah
Mit dem nun vorliegenden Prozess wird die nächste Phase der Strategieentwicklung im Gesundheitsbereich vorangetrieben. Die Umstrukturierungen im Gesundheitswesen sind vor drei Jahren gestartet. Ein Überblick, was bisher passiert ist:
- 2023: Gesundheitsplanung und Gesundheitsfinanzierung wurden in der Abteilung 9 des Landes zusammengeführt.
- 2024: Neue Doppelspitze der SALK-Geschäftsführung, bessere Abstimmung mit dem Land Salzburg.
- 2024: Die 1450 Dircetline mit dem Kinderspital wurde erfolgreich implementiert und wird nun auf die Bereiche Psychiatrie und Zentralambulanz ausgebaut.
- 2025: Erstellung des Regionalen Strukturplans Gesundheit 2030
- Jänner 2025: Gründung der Gesundheitsholding Salzburg mit dem Ziel einer koordinierten Zusammenarbeit der Spitäler sowie der Nutzung von Synergien
- 2026: Acht Spitäler schlüpfen unter das Dach der Gesundheitsholding. Übernahme und Absicherung der beiden Gemeindespitäler Oberndorf und Tauernklinikum. (10 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr).
- 2026: Ambulanz für Long-Covid-Patienten (ME/CFS) im Tauernklinikum geschaffen.
- Seit 2013 wurden 400 Millionen Euro in die Salzburger Landeskliniken investiert, zu denen heute auch die Krankenhäuser in Tamsweg und Hallein gehören. Aktuell in Umsetzung ist der Neubau 3. Medizin, geplante Fertigstellung im Februar 2027, Investitionssumme von 80,4 Millionen Euro.
- Masterplan Schwarzach ist in Umsetzung (Teil eins bis ca. 2028 bei einer kalkulierten Investitionssumme von 79 Millionen Euro)
- Neubau des Krankenhauses Mittersill zum Gesundheitszentrum (72 Millionen Euro).
- Aktuell: Projekte zur Patientenlenkung (Erstversorgungsambulanz am Standort SALK) sowie der Neubau des Sozialpädagogischen Zentrums mit integriertem Kindergesundheitszentrum werden konzipiert. Damit einher geht der Ausbau von Kapazitäten für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche.
Erste Effekte der Gesundheitsholding
Erste Erfolge der im Vorjahr neu gegründeten Gesundheitsholding sind bereits spürbar. Ein gemeinsames Beschaffungsdepartment wurde etabliert. Daraus ergibt sich im Bereich Endoprothetik bereits ein Einsparpotenzial von bis zu einer Million Euro. Die Holding zentralisiert Aufgaben wie eine einheitliche IT-Umgebung mit Beschaffungs- und Wartungsvorteilen. Die SALK übernimmt mittelfristig IT-Aufgaben für Oberndorf. Weitere Projekte sind bereits in Ausarbeitung wie die digitale Notfall-Patientensteuerung, bei der flächendeckend in Echtzeit verfügbare Kapazitäten für die Notfallversorgung zwischen Spitälern und Rettungsdiensten kommuniziert werden können. Eine flächendeckende ELGA-Anbindung aller Gesundheitsdienste-Anbieter soll außerdem die Implementierung von digitalen Innovationen beschleunigen und vereinfachen (Patientenportal, Terminservice, telemedizinische Applikationen).
Land Salzburg/Franz Neumayr